Netzwerken für alle: Startups Bielefeld

Ich hatte tatsächlich überlegt was ich anziehen soll. Gut, dass ich alle „ich-muss-offiziell-aussehen“-Gedanken dann schnell wieder verworfen habe. Es war warm, auch abends noch. Also: semi-offiziell. Lange Hose, aber sonst leger. Als ich im Zwanzig Dreizehn ankomme, bin ich dreifach froh, dass ich mich so entschieden habe. Der Großteil der Anwesenden ist so wenig offiziell gekleidet wie die Begrüßung ausfällt. Mit Handschlag, aber ohne formelle Sprache. Das „Du“ ist obligatorisch. Angenehm. So bleibt es den ganzen Abend.

Startups Bielefeld, „die Community für Gründer, Startups und unternehmerisch Interessierte aus Bielefeld und Umgebung“ veranstaltet einmal im Monat ein ungezwungenes, offenes Treffen zum Netzwerken. Man tauscht sich aus, stellt Ideen vor, holt sich Feedback und Tipps, man schüttelt Hände und tauscht Visitenkarten aus. Der Rahmen ist vorgegeben, alles andere hat man selbst in der Hand. Bei einem Bierchen oder einer Cola kommt man locker ins Gespräch und: ist erstaunt, wie viele außergewöhnliche Ideen um den Tisch versammelt sind.
 

Bin ich hier richtig? Ich will doch nur Netzwerken

Ich bin nicht mal sicher, ob ich die Kriterien für diese Community erfülle. Eine Kurzrecherche ergibt, dass der Begriff Startup nach „innovativen Ideen“ verlangt. Ich bin eher eine Art Kommunikations-Agentur, mehr Existenzgründerin als Startup. Aber: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt und anschauen kostet ja nichts. Schließlich ist Netzwerken gerade für Alleinunternehmer von nicht zu unterschätzendem Wert.

Übrigens alles unbegründete Bedenken. Letztlich ist es bei den Startups nämlich wie bei vielen anderen Dingen auch: Alles nur Begrifflichkeiten. Definitionen sind eben Definitionen und in dieser Community geht es um’s Netzwerken und um gegenseitige Unterstützung. Da wird nicht auf Begrifflichkeiten herumgeritten. Startup, Existenzgründer, Selbstständige – eben Menschen mit Ideen. Auseinanderdefinieren kann man später immer noch. Und sich mit genau denen zusammentun, die auf der gleichen Wellenlänge liegen.
 

Und, was machst du so?

Man stellt sich also vor. Außer mir sind noch ein paar Andere zum ersten Mal hier. Die Initiatoren Florian und Sven begrüßen jeden, der ankommt. Es ist nicht schlimm, dass ich nicht so genau weiß was passiert, die Atmosphäre ist freundlich und offen: „Hallo, schön dass Du da bist, was machst Du so? Setz Dich doch.“ Ja, was mache ich eigentlich? Ich habe mir vorher kaum Gedanken gemacht, was ich auf diese Frage antworten soll. Ich möchte es kurz und eindeutig machen: „Ich verkaufe Kommunikation.“

Die Frage ist nur: Wer versteht jetzt, was genau ich mache, wofür ich die Expertin bin, warum man mich buchen sollte? Wie viele Worte brauche ich, um das zu erklären und welche wären die besten? Ich hänge noch ein paar Worte dran, aber so richtig eindeutig wird es nicht. Erste Erkenntnis des Abends: Erstaunlich, ich kann für Andere treffende Produktbeschreibungen produzieren, stolpere aber bei meinen eigenen Produkten über die verlockend große Auswahl an Formulierungen.
 

Marketing und Vertrieb: Ein Thema, das nie abgeschlossen ist

Schon jetzt habe ich eine Idee davon, was eine der wichtigsten Erkenntnisse des Abends sein wird: Letztlich ist es nicht wichtig, in welcher Branche man unterwegs ist oder welche Idee verkauft werden soll, die Probleme sind immer die gleichen. Immer geht es um Verständigung. Darum, die richtigen Worte zu finden. Immer und immer wieder kommen wir an diesem Abend zu dem Punkt „Formulierungen“. Alle, die neu anfangen, müssen sich der Aufgabe stellen, wie sie ihre Dienstleistung oder ihr Produkt beschreiben, damit sie verstanden werden. Damit der Kunde versteht, was der Mehrwert ist. Warum er unbedingt kaufen muss.

Diese Aufgabe kann man allerdings nicht erledigen, ein Häkchen dran machen und dann zum nächsten Punkt übergehen, eher ist dies ein Kommunikationsprozess, der nie zu Ende geht. Man muss sich immer wieder fragen, ob die Worte noch die richtigen sind, ob sie zu der Zielgruppe passen, ob es nicht bessere gibt. Und da ist es gut, ab und zu mit Leuten zu reden, die genau den gleichen Prozess durchlaufen. Immer und immer wieder. Die Fragen stellen und Feedback geben. Die einen dazu bringen, ein bisschen Betriebsblindheit abzulegen und noch mal genau hinzuschauen. Und eben das kann man bei den Startups Bielefeld einmal im Monat machen. Coole Sache.
 

OWL: Bodenständig und kreativ

Im Zwanzig Dreizehn geht man es recht ruhig an. Man sitzt zusammen, erzählt sich gegenseitig von den aktuellen Projekten, hört zu. Dann wechselt man den Platz oder es setzt sich jemand Neues dazu und es gibt wieder neuen Input. Netzwerken in alle Richtungen. Es sind einige nahezu geradlinige Geschichten dabei, aber es dominieren die, in denen es um eine geschickte und mutige Chancenverwertung geht. In denen sich die Idee festgesetzt hat und dann einfach umgesetzt werden musste.

Ich erfahre etwas über Vergleichsportale, über Job-Apps, über IT-Spezialisten, die Websites und Online-Shops bauen. Die Geschäftsideen sind oftmals außergewöhnlich und kreativ, vieles ist „digital“, „Management“ oder „Kommunikation“ – das mit dem Zeitalter stimmt also. Ich diskutiere über die Eindeutigkeit von Begriffen, über Erfahrungen mit Kunden, über Schwierigkeiten bei der Akquise. „OWL ist ein guter Standort“, sagt Florian. „Es gibt viele tolle Ideen und die Leute sind sehr bodenständig. Gute Bedingungen dafür, dass die Startups Bestand haben.“
 

Leidenschaft auf der kleinen Bühne: Die eigene Idee verkaufen

Schließlich gibt es die Möglichkeit zum Spontan-Pitch. Seine Idee in ein paar Sätzen vorstellen, am besten spontan und kreativ sein, das Publikum gewinnen und die Zuhörer von der eigenen Vision überzeugen, sie einnehmen – zunächst gehen nicht viele Hände hoch. Hier beim Meetup geht es aber erstmal nicht um das große Geld, man muss ja keine Investoren überzeugen oder Ähnliches. Eher kann man diese Bühne auch nutzen, um sich im Pitchen zu üben oder aber aktuelle Themen oder Probleme anzusprechen, die dann von der Gruppe diskutiert werden können.

Ich möchte erst schauen. Nach kurzem Abwägen gibt es dann auch ein, zwei mutige Menschen, die diese Möglichkeit nutzen. Wir diskutieren über Möglichkeiten der Selbst-Präsentation auf Veranstaltungen und wie man mit seinem Messestand am besten Aufmerksamkeit erregt. Und dann geht es auch noch um eine Idee aus dem Bereich Gesundheitskommunikation. Das Feedback ist umfassend, wohlwollend und ehrlich. Und ich habe den Eindruck, dass es für die Präsentierenden hilfreich ist. Mir schießt der Gedanke durch den Kopf, ob es Sinn machen könnte ein Präsentationstraining mit dem Fokus Pitchen zu konzipieren. Neben den Übungen und dem Input zum Thema könnte man ein solches Training auch zum Erfahrungsaustausch nutzen. Ich werde noch mal darüber nachdenken und erstmal weiter netzwerken.
 

Das nächste Meetup kommt bestimmt

Als ich los muss ärgere ich mich ein bisschen, dass ich diese Chance nicht auch genutzt habe. Aber eigentlich ist es nicht schlimm. Denn a) gibt’s das Meetup jeden ersten Donnerstag im Monat und b) kann man sich im Ernstfall auch einfach so mal bei den Initiatoren melden. Nett sind sie. Und hilfreich. Ich denke, ich bin auch im September wieder da.

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