Stimmtraining: Sind Lehrer-Stimmen besonders gefährdet?

Überbeanspruchung kann die Stimme lahmlegen. Das ist bekannt und trotzdem werden viele Menschen, die in Berufen mit hohem Sprechanteil arbeiten, nicht vor dieser Gefahr gewarnt – geschweige denn speziell geschult. Schade, denn durch eine gezielte Förderung könnten vielleicht einige schmerzhafte Erkrankungen vermieden werden.

Es ist schon ein paar Jahre her, da erzählte mir ein Freund, der Lehrer an einem Essener Gymnasium ist, dass viele seiner Kollegen Probleme mit ihrer Stimme haben. Dass sie vermehrt auf Gruppenarbeiten ausweichen würden, wenn sie viele Stunden am Stück unterrichten müssten. Und das nicht aus didaktischen Gründen, sondern einfach, weil sie irgendwann in ihrem Frontalunterricht mit der Stimme nicht mehr durchkämen. Klar, als Lehrer muss man je nach Unterrichtsart nicht nur viel sprechen, sondern vor allem auch mal laut. Aus meiner eigenen Schulzeit erinnere ich mich an so einige Situationen, in denen gern mal gebrüllt wurde. Da ist viel Druck hinter der Sprache – also ein falscher Einsatz der Stimme.

Studien zufolge erkranken etwa sechs Prozent der Bevölkerung einmal in ihrem Leben an einer Stimmstörung. Und in Berufen, in denen die Stimme starken Belastungen ausgesetzt ist, ist das Risiko einer Erkrankung fünfmal so hoch: Ein knappes Drittel der Lehrer hat im Laufe seiner Schulkarriere Stimmprobleme, die zeitweise sogar arbeitsunfähig machen.

 

Stimmtraining für Lehrer und andere Vielredner-Berufe.

Überlastung: Stimmlippen besonders anfällig

Es ist ja bekannt, dass ein achtloser Umgang mit seinen Sprechwerkzeugen gefährlich sein kann. Fehlhaltungen und zu große Anspannung können die Sprechwerkzeuge so sehr belasten, dass es unangenehm wird. Denn wenn eine Stimme über längere Zeit überanstrengt wird, kann es im schlimmsten Fall sogar zu Erkrankungen der Stimmlippen oder des Kehlkopfes kommen. Das muss man sich vorstellen wie Blasen an den Füßen, wenn man eine längere Wanderung hinter sich hat.

Ein Polyp oder eine Zyste können dazu führen, dass die Stimmlippen nicht mehr regelmäßig schwingen. Schlimmstenfalls bleibt dann die Stimme weg. Das passiert auch sogenannten Stars, Sängern wie Sarah Connor oder Bill Kaulitz. Da bleibt dann nur Schonung, Schonung, Schonung – tut man das nicht, dann hilft oft nur noch eine OP.

 

Besser schon früh reagieren

Erste Anzeichen sind Heiserkeit, eine belegte Stimme und Schmerzen beim lauten Sprechen. Und wenn die sich bemerkbar machen, sollte man schon darauf achten möglichst wenig zu sprechen und sich zu schonen. Aber wäre es nicht sinnvoller, präventiv das richtige Sprechen und Atmen zu lernen als immer nur die Folgen möglichst klein zu halten?

An der Uni Bielefeld zum Beispiel gibt es für angehende Lehrer Kurse zum richtigen Präsentieren und es werden auch Beratungsgespräche zum Stimmgebrauch angeboten. Aber vielleicht hilft es ja schon, die Risikogruppen darin zu schulen, dass sie aufmerksamer mit ihrer Stimme umgehen. Sie zu sensibilisieren damit sie sich selber mit dem wichtigen Instrument befassen und den Umgang optimieren. Und möglicherweise wäre da auch E-Learning eine sinnvolle Methode, um seine eigenen Sprechwerkzeuge besser kennen zu lernen.

 

Weitere Vorteile

Sprechtrainings in die Lehrerausbildung – also ins Studium und ins Referendariat – zu integrieren, wäre übrigens auch aus anderen Gründen sinnvoll: Eine Stimmstörung beeinflusst die Aufmerksamkeit der Schüler. Forscher aus Manchester haben herausgefunden, dass Schüler schlechter folgen können, sich schlechter Dinge merken und sogar in Tests schlechter abschneiden. Ein Plädoyer für das Sprechtraining!

 

Bild: Public Domain. Wokandapix, Pixabay

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.