Produktiver arbeiten dank Journaling

Schreiben ist nicht nur gut für deinen Blog und deine Sichtbarkeit. Schreiben kannst du auch für deine Persönlichkeitsentwicklung nutzen. Das Reflektieren und Aufschreiben von Erlebnissen können dir dabei helfen, deinen Blick zu weiten und Dinge anders zu bewerten. Indem du schreibst und deinen Blick ganz gezielt auf bestimmte Erlebnisse richtest, kannst du dein Leben positiv beeinflussen und in der Folge produktiver arbeiten.

Was ich meine, ist Journaling (oder Tagebuch schreiben, aber dieses Wort ist vielen Leuten nicht cool genug). Das Ziel hinter dieser Übung ist ebenso einfach wie die Methode: Zufrieden sein mit dem, was da ist. Fokussieren auf das Positive im Leben. Und dadurch neue Energie gewinnen, um in Zukunft zufriedener und produktiver zu sein.

Fangen wir aber am Anfang an: Im August flatterte mir ein Blogartikel von Alexandra Cordes-Guth in meine Timeline. Es ging um das Thema Selbstzweifel und wie man damit umgehen kann.

Ich denke mal, dass jeder ab und zu von solchen Zweifeln ergriffen wird – bei mir ist es jedenfalls so. Und wenn das so ist, dann kann sich das auch auf meine Arbeitsweise und andere Lebensbereiche auswirken. Daher war ich auch so gespannt, welche Tipps Alexandra in ihrem Artikel geben würde. Denn: Ich bin ja immer offen für neue Dinge und gute Tipps.

 

Selbstzweifel in Selbstbewusstsein verwandeln

Im Blogartikel geht es darum, wie sich diese „Schattentage“ anfühlen und was sie mit uns machen. Das sind diese Tage, wo du morgens aufstehst und denkst: „Was für ein sch*** Morgen. Schon wieder verschlafen.“ Tage, an denen du nicht richtig in Schwung kommst, nichts so richtig klappt, du überschwemmt wirst von negativen Gedanken und Gefühlen. Eben solche Tage, an denen dich abends jemand fragt, wie dein Tag war und du sagst: „Ein mieser Tag – es gab nicht ein einziges schönes Erlebnis!“

Es geht in dem Artikel aber auch darum, was man tun kann, wenn mal in einer solchen Phase steckt. Und für Alexandra heißt die Lösung Dankbarkeit. Indem sie auf das Positive in ihrem Leben fokussiert, kann sie die Schattentage überstehen.

Der für mich spannendste Teil kam dann gegen Ende des Artikels: Eine Schreibübung für mehr Zufriedenheit und Selbstbewusstsein im Alltag. Klar, dass ich das sofort ausprobieren wollte.

Alexandra schreibt:

Mit dieser einfachen Übung hat die Psychologin Jennice Vilhauer in der Arbeit mit depressiven Menschen sehr gute und nachhaltige Erfahrungen gemacht. Schreibe jeden Abend drei Dinge auf, die dir an dir selbst gefallen haben. Lies Dir diese Liste morgens nach dem Wachwerden und noch vor dem Aufstehen einmal durch. Und abends fügst Du dann wieder drei neue Sachen zu der Liste hinzu. Wiederhole das dreißig Tage lang. Und stärke so deinen inneren Muskel des liebevollen Selbstbewusstsein.

 

Zufrieden leben, produktiver arbeiten, positiv denken

Natürlich ist diese Übung nicht nur für Depressive gut – im Gegenteil. Eigentlich ist sie für alle gut, die bewusster leben und positiv denken wollen. Denn: Stecken wir gerade mitten in einer schlechten Phase, kommen wir nur schwer auf die positiven Gedanken. Erfahrungsgemäß ist es während dieser „Schattentage“ extrem schwierig für uns, von den schlechten Gedanken wegzukommen.

Unser Gehirn ist sozusagen programmiert auf das negative Denken. Es sucht sich immer wieder negative Erlebnisse, um das negative Bild zu bestätigen. Und genau hier setzt die Schreibübung an. Durch das Journaling sammelst du Material, um den negativen Gedanken etwas entgegenzusetzen. Und ohne Selbstzweifel lässt es sich viel entspannter leben und auch produktiver arbeiten. Du fragst nicht mehr, wieso du deine Aufgaben erledigst, denn du weißt es. Steht ja alles im Journal.

Warum Schreiben?

Vor allem wegen der Regelmäßigkeit. Und weil du so deine positiven Gedanken konservieren kannst. Wenn du dir bloß jeden Abend drei positive Dinge denkst, ist die Übung nicht so kraftvoll und die Ergebnisse sind flüchtig. Wenn du dich aber jeden Abend mit Buch und Stift hinsetzt, deinen Tag reflektierst und deine drei positiven Gedanken aufschreibst, dann hast du eine Routine.

Und wie das ja immer so ist mit Routinen: Wenn sie erst einmal etabliert sind, fällt es uns gar nicht mehr schwer, sie regelmäßig zu machen. Ist dann wie Zähne putzen: Geht fast wie von selbst.

 

Meine Erfahrungen mit der Übung

Hinter mir liegen jetzt knapp 60 Tage Selbstwertgefühl-Übung. Für jeden Tag habe ich drei bis vier Dinge aufgeschrieben, die gut waren. Es gab Tage, an denen mir das leicht gefallen ist. Da waren aber auch Tage, an denen ich Schwierigkeiten hatte, drei Dinge zu finden, die mir an mir selbst gefallen haben.

Ich habe aber trotzdem etwas geschrieben, denn das war mir wichtig. Du weißt ja, dass regelmäßiges Schreiben eine große Wirkung auf dich und deinen Blog hat.

An solchen Tagen bin ich dann von der ursprünglichen Aufgabe abgewichen. Ich habe dann einfach den Fokus verschoben. Mal habe ich Sachen aufgeschrieben, für die ich dankbar bin, mal Begebenheiten, auf die ich stolz bin, mal Erlebnisse, die mich glücklich gemacht haben. Das waren also nicht nur Dinge, die ich selbst gemacht hatte, sondern auch solche, die mir passiert sind.

Jetzt könnte man sagen, dass das dann gar nicht positiv fürs Selbstwertgefühl ist. Immerhin habe ich nichts dafür getan, dass mir diese guten Dinge passieren. Aber die positive Wirkung bleibt bestehen. Denn auch wenn ich nicht die Urheberin dieses positiven Erlebnisses bin, so kann ich mich trotzdem freuen und glücklich schätzen, dass ich so tolle Menschen in meinem Leben habe und mir so viel Gutes passiert.

Probleme mit der Übung

Neben der Tatsache, dass ich an einigen Tagen nicht so viele Dinge gute Dinge an mir finden konnte, gab es noch ein paar andere Hürden, die ich nehmen musste.

Zum Beispiel die Sache mit dem täglich schreiben: Es gab Tage, da habe ich nichts geschrieben. Da hatte die Übung keine Priorität oder ich hatte einfach keinen Kopf dafür.

Ich finde aber den Grundgedanken richtig, wirklich an jedem Tag etwas Positives zu suchen. Also habe ich das Schreiben am kommenden Tag nachgeholt. Kann sein, dass es dann nicht mehr so kraftvoll ist. Mir hat es aber geholfen, meine Tage zu reflektieren und genau hinzuschauen.

Außerdem ist mir aufgefallen, dass ich oft das Bedürfnis hatte, das Schöne zu relativieren. „Ja, ich hatte ein Erfolgserlebnis, aber dafür war das und das blöd.“ Auf genau diese Dinge möchte ich jetzt noch mal schauen, denn das hat mich nachdenklich gemacht. Denn sollte es nicht so sein, dass ich mir diese Erfolge (zurecht!) auch gönne?

Und das ist ein weiterer interessanter und hilfreicher Aspekt vom Journaling. Wir beobachten uns selbst und unsere Wahrnehmung auf die Welt. Dadurch, dass wir das schwarz auf weiß festhalten, können wir mit diesen Ergebnissen weiterarbeiten und Entwicklungen erkennen. Das Schreiben macht Gedanken sichtbar, die uns etwas über uns selbst verraten.

 

Fazit nach 60 Tagen Erfolgsjournal

Jetzt willst du bestimmt wissen, ob die Übung auch wirklich die gewünschte Wirkung erzielt hat. Und wenn ich so in meinem Journal blättere und an die Zeit denke, die ich mit Reflexion und Schreiben verbracht habe, dann kann ich eindeutig sagen: Ja! Es ist ein großartiges Tool.

Mittlerweile fällt es mir viel leichter, Erfolge zu sehen und sie zu benennen. Außerdem kann ich im Rückblick Dinge noch einmal nachlesen und meine Einstellung dazu überprüfen. Ich arbeite zufriedener und kann mit Rückschlägen besser umgehen.

An meinen Projekten kann ich jetzt noch produktiver arbeiten, weil ich mit dem Gefühl verbunden bin, dass ich gut und erfolgreich bin in dem, was ich tue. Und wenn ich das mal vergesse, dann kann ich mein Journal zur Hand nehmen und mir diese positiven Erlebnisse wieder ins Gedächtnis rufen.

Natürlich habe ich immer noch Tage, über die ich sage „doof gelaufen, blöde Dinge erlebt, anstrengend und nervig.“ Aber ich denke, das ist okay so. Vielleicht muss nicht jeder Tag voll von Glück und Erfolg sein. Aber auch auf diese Tage lohnt ein Blick zurück und eine Auseinandersetzung mit dem, was war.

 

Meine Tipps für dein Journal

Falls du jetzt gerne für dich ausprobieren willst, wie das Journaling auf dich und deine Welt wirkt, dann habe ich hier eine Liste mit 5 Tipps für die Praxis zusammengestellt:

1. Beiß dich nicht am Namen oder am System fest

Ich möchte dich dazu ermutigen, mit dem Journaling anzufangen. Aber ich möchte nicht, dass du verzweifelst oder frustriert bist, wenn da mal kein Erfolg ist, über den du schreiben kannst. Für mich geht es bei der Übung darum, auf das Positive im Leben zu fokussieren. Ob du da jetzt aber nur über deine Erfolge oder aber auch über positive Erlebnisse schreibst, bleibt ganz dir überlassen.

Auch die Frage, wie du dein Journal nun nennen willst, ist unwichtig. Dankbarkeitstagebuch, Glückstagebuch, Erfolgstagebuch, Selbstwertgefühl-Tagebuch… Nenn es, wie du willst: Es soll dir ja helfen und nicht dir Vorgaben machen und dich stressen.

Du kannst natürlich einen Fokus setzen, aber du musst nicht. Es ist auch möglich, einfach frei über das zu schreiben, was gerade bei dir los ist. Dann schreibst du an einem Tag über Glück und Dankbarkeit und am nächsten halt über Erfolge.

2. Schreibe regelmäßig

Bau das Schreiben in deinen Alltag ein. Nimm dir jeden Tag Zeit dafür – es muss ja nicht viel sein. Denn wenn du nur alle paar Tage oder Wochen mal schreibst, dann ist die Übung nicht so kraftvoll. Es geht ja darum, das Positive im Alltag zu finden, eben die kleinen Dinge. Und du siehst diese Dinge besser, wenn du gezielt danach suchst.

Wenn du regelmäßig schreibst, wird sich deine Sichtweise auf deine Erlebnisse verändern. Und vermutlich wird sich auch deine Art verändern, wie du darüber schreibst.

Auch die Definition von „regelmäßig“ kannst du natürlich frei für dich entscheiden. Es täglich oder zweitägig zu machen, ist bloß meine Empfehlung für dich. Es schafft Verbindlichkeit und Routine. Du kannst aber auch ein Erfolgsjournal für dein Business führen, in das du nur dann Erfolge einträgst, wenn du ganz konkret welche in deinen Projekten erzielt hast. Der Fokus ist dann ein anderer, aber auch diese Form von Journaling hat seine Berechtigung.

3. Schreibe mit Stift und Papier

Natürlich lässt sich so ein Journal auch digital führen. Aber ich glaube, dass es eine andere Wirkung hat, wenn du dir ein Buch kaufst, in das du regelmäßig deine Erfolge und Glücksmomente einträgst. Es ist auch viel wirkungsvoller, in diesem Buch zu blättern und die schönen Erfahrungen nachzulesen, als wenn du dafür erst deinen Laptop hochfahren und die entsprechende Datei öffnen musst.

Du kannst natürlich auch einen Block oder lose Zettel verwenden, aber ein echtes Journal ist noch mal kraftvoller. Ich selbst verwende ein Notizbuch DIN A5 und schreibe täglich eine Seite.

4. Schreibe in ganzen Sätzen

Als Schreibcoach möchte ich dazu ermutigen, dieses was-auch-immer-Buch in ganzen Sätzen anzugehen, anstatt bloß Stichworte aufzuschreiben. Das ist noch mal ein ganz anderes Schreibgefühl und der Zugang zu den Erlebnissen ist anders, wenn wir sie in kleinen Geschichten notieren.

Wenn du Stichpunkte schreibst, weißt du hinterher sicher noch, warum du dieses Erlebnis als Erfolg ansiehst. Was dir aber bei ganzen Sätzen zusätzlich erhalten bleibt, ist dein Gefühl zu diesem Erlebnis. Nimm dir die Minute mehr und formuliere ganze Sätze.

5. Sei nicht zu streng mit dir

Du findest an einem Tag einfach nichts Positives, dabei hast du dich wirklich bemüht? Dann ist das eben so. Verbeiß dich nicht daran, dass du irgendetwas tun musst. Es ist ein Tool für dich, mit dem du arbeitest und mit dem du deine Persönlichkeit entwickeln kannst. Nicht mehr und nicht weniger.

Wenn du dich dazu zwingen musst, dann ist es vielleicht nicht dein Tool. Oder nicht dein Rhythmus. Oder die falsche Fragestellung. Achte beim Journaling auf eine gewisse Regelmäßigkeit und Verbindlichkeit, aber lass dir auch den Raum, auf das zu hören, was gerade wirklich wichtig für dich ist.

 

Und jetzt du: Am besten noch heute loslegen

Wenn du jetzt den Impuls hast, mit dem Journaling anzufangen, dann folge dem. Und wenn du jetzt aber gerade kein passendes Buch zur Hand hast, dann nimm dir eben für heute einen Zettel. Oder du machst dir Notizen in deinem Smartphone, bis du ein Journal gekauft hast. Es ist ganz egal, wie du anfängst – Hauptsache, du startest.

Oder aber, du hast vielleicht schon mal einen Anlauf gemacht und es gibt bereits ein Journal? Du hast bloß irgendwann aufgehört zu schreiben? Dann reaktiviere es – am besten noch heute. Ich glaube, dass dieses Tool für jede/n von uns sinn- und kraftvoll ist.

Schreibe deine Erfahrungen mit Selbstreflexion und Journaling gerne in die Kommentare – ich freue mich auf Austausch!

 

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2 Gedanken zu „Produktiver arbeiten dank Journaling

  1. Seit ich gecheckt habe, dass alle erfolgreichen Menschen Journal führen, habe ich auch damit angefangen. Allerdings halte ich mich nicht an übliche Regeln, sondern habe mein eigenes System gefunden.

    Anfangs schrieb ich sehr unregelmäßig und auch kurz. Seitdem ich aber Punkte und Fragen definiert habe, die ich abends beantworte, geht es vorwärts bei mir. Ich bin viel motivierter und fokussierter. Und den Punkt des Schreibenlernens ist nicht zu unterschätzen.

    Meine Punkte sind:
    * Kurzes Resume des Tages
    * 3 Gute Dinge des Tages
    * Dankbarkeit allgemein(, also Sachen wie Gesundheit oder was mir da einfällt)
    * Woran konnte ich heute wachsen?
    * Wieviel Zeit habe ich gut investiert?(abhängen auf social media ist nicht gut investiert, Sport dagegen schon, als Beispiele)
    * Todo und ausblick auf morgen

    Manchmal setze ich auch Strategiepapiere für mein Leben auf, aber das würde den Umfang dieses Kommentars sprengen. 😉
    Achja, fürs Journaling habe ich ein lokales WordPress aufgesetzt. Das ist besser durchsuchbar, als ein analoges Journal.

    1. Wow, das ist aber schon sehr umfangreich! Ich glaube auch, dass jeder sein eigenes System finden muss – das ist ja bei allen Tipps und Strategien so. Nicht jedes Tool ist gleich gut für alle und somit sind für mich diese ganzen „Tu dies, dann wirst du…“-Aussagen einfach nur überflüssig und falsch.

      Mit dem Durchsuchen hast du natürlich Recht. Allerdings wirkt ein mit der Hand geschriebener Text in meinen Augen eben anders. Wie lange schreibst du an deinen Fragen? Und machst du es als Text oder in Stichpunkten?

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