Wie ich beim Film noch einmal neu schreiben lernte

„Anna, du machst doch Text und redaktionelle Arbeiten? Recherche und Interviews und so?“ – „Ja klar, was soll ich denn schreiben?“ Es ging gar nicht so sehr um das Schreiben. Zumindest nicht nur. Und schon gar nicht um das Schreiben, wie ich es kannte. Gemacht habe ich es trotzdem. Und musste bewährte Arbeitsweisen radikal umstellen.

Gegen Ende des letzten Jahres konfrontierten mich die Köpfe hinter Image & Emotion mit einer Anfrage. Man arbeite derzeit an einem Filmprojekt, ein Jubiläumsfilm, und plane, dafür Interviews zu machen. Ob ich nicht redaktionell an dem Projekt mitwirken wolle. Ich dachte an meine vielen und vielschichtigen Projekte für den Hörfunk. „Klar, das ist ja das gleiche nur mit ner Kamera, die eben neben dem Ton auch das Bild aufzeichnet“, so mein Gedanke. Ist es auch wirklich, aber der Verwendungszweck ist dann doch nicht so gleich. Für mich war die zusätzliche Bildebene erst einmal sehr ungewohnt.

 

Wie jetzt – das müssen wir doch sagen?!

Am Anfang die Planungsphase. Das war mir vertraut, da fühlte ich mich sicher. Erstmal grundlegende Fragen klären:

  • Welche Geschichte wollen wir erzählen?
  • Welche Informationen haben wir, welche brauchen wir noch?
  • Wie kommen wir an die fehlenden dran?

Gemäß meiner Vorerfahrung war ich zu Beginn nur auf der Text-Ebene unterwegs. „Klar, da kommen dann auch noch Bilder und Musik dazu, damit habe ich ja aber nix zu tun“, dachte ich. Stimmt aber vorne und hinten nicht. Denn die Sache mit Filmen ist eben die, dass die Ebenen zusammen wirken, nicht nebeneinander. Aber das wurde mir erst nach und nach bewusst. Und dann kam die Erkenntnis: Wir müssen nicht alles sagen. Noch weniger als beim Hörfunk.

Einen #Imagefilm zu produzieren, bedeutet, eine Vision greifbar und erlebbar zu machen Klick um zu Tweeten

Am Set: Keine Klischees, aber halt „wie im Film“

Der Tag der Interviews. Ich hatte meine Fragenkataloge parat und war neugierig. Auf den Gesamtablauf, auf die technischen Details und die Beleuchtung, auf die Atmosphäre. Wir hatten vier Interviews an vier verschiedenen Orten. Ganz schön viel Warten für mich, die ich ja „nur“ die Interviews führen sollte. Alles in Allem habe ich aber einen guten Einblick bekommen in die Arbeit, die da beim Film geleistet wird. Es sieht vielleicht gar nicht danach aus, ist aber eine sehr kleinteilige, hochspezialisierte Arbeit. Und das nicht nur während der Aufnahmen, sondern im gesamten Produktionsprozess. Das sind Spezialisten für Technik und Wirkung von Film und sie sind auch Künstler. Denn die Gesamtkomposition am Ende in der Postproduktion ist ja nur der letzte Schritt, eine Vision greifbar und erlebbar zu machen.

Als wir die Interviews im Kasten hatten, ging es an die Auswahl der O-Töne. Wieder bekanntes Terrain für mich, ich hatte schon während der Interviews die für mich relevantesten Stellen markiert. Dann das Transkript und schauen, ob die entsprechenden Stellen auch geschnitten gut zusammenpassen. Ging. Aber als ich dachte, der Großteil der Arbeit wäre jetzt erledigt, ging es eigentlich erst los.

Sprache im #Imagefilm, das ist Lobhudelei in Perfektion Klick um zu Tweeten

Der Off-Text. Viel mehr als reden. In einer besonderen Sprache

Wer schon mal einen Imagefilm gesehen hat, der weiß vielleicht ein ganz kleines bisschen, was ich meine wenn ich sage

Die Sprache ist wie Werbung. Aber noch mehr als in der Werbung.

Diese spezielle Sprache ist Lobhudelei in Perfektion. Und das ist jetzt gar nicht abwertend gemeint. Ich durfte ja nun den kompletten Prozess begleiten und muss sagen: Den Off-Text sauber zu texten, sodass er die Bilder unterstützt, die richtigen Assoziationen weckt und nicht aufgesetzt wirkt, ist keine Arbeit, die man mal so eben nebenbei macht. Die Sprache aber zu verändern und von den gängigen Begriffen abzuweichen scheint auch nicht zielführend, denn eben diese spezielle Sprache wird offenbar im Kontext Imagefilm erwartet und forciert.

Ich musste mehrfach gebremst werden, was die Länge meines Textes anging. Vieles, das ich für erklärungsbedürftig, ja sogar -notwendig hielt, wurde durch die Bilder schon „gesagt“. Der Text ist so reduziert, dass er eigentlich kaum auffällt. Und trotzdem ist er ein wichtiger Baustein des Films. Neben den Bildern natürlich. Und der Musik.

 

Projekt geglückt: Ein tolles Ergebnis, eine großartige Erfahrung und zufriedene Kunden

Letztlich war meine Arbeit an dem Projekt im Januar abgeschlossen. Trotzdem habe ich den Prozess natürlich weiterverfolgt. Und als der Film dann Mitte Februar online ging, war ich erstaunt, wie toll er geworden ist. Ich hatte ihn ja zwischendurch in verschiedenen Produktionsschritten immer mal wieder gesehen und wusste auch, wie er aussehen würde. Trotzdem ist so ein Gesamtwerk noch mal etwas ganz anderes. Gut, das gemacht zu haben.

 

Bild: Public Domain. Pashminu, Pixabay

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