Kreativer arbeiten durch Spaziergänge

Gehen ist des Menschen beste Medizin.

sagte schon Hippokrates und der musste es ja wissen. Immerhin gilt er heute als der berühmteste Arzt der Antike. Bewegung hält nicht nur fit, sondern kann – regelmäßig angewendet – vor Krankheiten schützen und sogar bestehende Beschwerden lindern. Und nicht nur körperlich wirkt der Spaziergang: auch für die „seelische“ Gesundheit ist er eigentlich unverzichtbar. Tatsächlich wirkt diese „Medizin“ auf so vielfältige Art und Weise, dass wir alle mehr Zeit für diese wunderbare Beschäftigung einplanen sollten. Wobei – planen muss man da ja so gut wie gar nichts. Ein weiterer Vorteil. Und last, but not least: Spazierengehen macht kreativ!


Spazierengehen ist einfach, flexibel und kostenlos. Um diese Aktivität regelmäßig in den Alltag einzubauen, brauchen wir weder eine Ausrüstung noch einen genauen Plan. Wir brauchen keine Mitgliedschaft im Fitness-Studio, keinen Ergometer oder teure Laufschuhe. Obwohl es sich für längere Touren doch empfiehlt, sein Schuhwerk etwas genauer auszusuchen.

 

Spazierengehen wird oft unterschätzt

Jetzt gibt es bestimmt viele kritische Stimmen á la „Naja, Spazierengehen, schön und gut… Aber richtiger Sport, Ausdauersport – das ist doch viel gesünder und effektiver!“ Wie effektiv Spazierengehen wirklich ist wurde bereits ausgiebig erforscht – mit erstaunlichen Ergebnissen. Bereits fünf mal 30 Minuten Spaziergang pro Woche haben erhebliche Auswirkungen auf unsere Gesundheit.

Vorteile von regelmäßigen Spaziergängen

 
Immer in Bewegung: Kreativer arbeiten, schreiben und bloggen.

Das beste Mittel gegen schlechte Laune

Aus meiner persönlichen Erfahrung möchte ich den Entspannungsfaktor vom Spazierengehen besonders hervorheben. Es ist nahezu egal, wie mies meine Laune ist und wie gestresst ich bin – nach einer ausgiebigen Runde durch den Park bin ich wesentlich ausgeglichener und sortierter. Ich denke auch, dass es kein Zufall ist, dass Spaziergänge so häufig als Wundermittel angepriesen werden. Hebammen zum Beispiel empfehlen es frisch gebackenen Müttern, jeden Tag mindestens eine halbe Stunde an die frische Luft zu gehen. Ja, natürlich, es ist auch gut für den kleinen Menschen. Der braucht ja schließlich Vitamin D gegen Rachitis und Sauerstoff und überhaupt…

Aber ich denke, es hilft vor allem den Müttern. Die müssen nämlich mit einer Extremsituation fertig werden. Allein 24/7 erhöhte Aufmerksamkeit, dazu die neuen Aufgaben, die neue Rolle – da hilft es, regelmäßig raus zu gehen und den Kopf frei zu kriegen. Die Gedanken sortieren macht häufig schon etwas aus, wenn man produktiv und kreativ arbeiten möchte. Und die einfachste und am schnellsten umzusetzende Methode ist eben der Spaziergang. Zumal der kleine Mensch in seinem Rennwagen meistens einschläft – dann hat man erst Recht Luft, um den Kopf frei zu kriegen.

Die Sache mit der Kreativität

Ein großartiger Nebeneffekt vom Spazierengehen: Es macht uns kreativ, steigert Erfindungsgabe und Ideenreichtum. Ein Experiment von US-Forschern belegt: Wer vor kreativen Aufgaben herumläuft – sei es bei einem Gang durch den Park oder aber nur auf dem Laufband – der hat hinterher die besseren Einfälle. Auch oder gerade im sprachlichen Bereich.

Für das Experiment sollten Studenten zwei kreative Wortspiele lösen. Ideenreichtum war besonders beim ersten Test gefragt: Für ein Objekt sollten sie so viele innovative Anwendungsmöglichkeiten wie möglich finden. Erinnert so ein bisschen an Knobel-Fragen im Vorstellungsgespräch. „Wofür kann man einen Stift benutzen, außer zum Schreiben?“ oder: „Finde ungewöhnlichen Einsatzmöglichkeiten für eine Büroklammer.“ Im zweiten Test ging es darum, Wörter zu assoziieren. Zu drei vorgegebenen Worten sollten die Probanden ein jeweils passendes finden. Wie diese Rätsel in den Fernsehzeitschriften. Zu „Rad, Fluss, Marathon“ würde zum Beispiel das Wort „Lauf“ passen.

 

Sitzen, spazieren gehen, Laufband – Bewegung macht kreativ

Die Studenten lösten die Aufgaben unter verschiedenen Bedingungen. Im Sitzen, beim Spazierengehen im Freien und während sie auf einem Laufband gingen.

Bei dem Wort-Assoziationstest brachte die Bewegung scheinbar keine Vorteile: Konzentration und Kombinationsgabe funktionieren also auch im Sitzen. Bei dem ersten Test aber, der Kreativität und innovatives Denken prüfen sollte, schnitten die laufenden Probanden deutlich besser ab. Ob nun an der frischen Luft oder auf dem Laufband war dabei egal – allein die Bewegung zählt offenbar. Die Probanden lösten die Aufgaben kreativ und damit besser. Und die Wirkung der Bewegung hält sogar eine Weile an. Machten die Probanden zuerst einen Spaziergang und setzten sich dann für den Test hin, so war die Kreativleistung fast ebenso hoch. Kreativ und konzentriert durch Bewegung – eigentlich leicht herzustellen, oder?

 

Mehr Bewegung in den Job und in die Ausbildung!

Es scheint also so zu sein, als steigere Bewegung generell die Erfindungsgabe – und dabei müssen wir gar nicht joggen, sondern lediglich spazieren gehen. Eine gute Nachricht für alle Kreativen da draußen, denn ein Spaziergang ist doch wesentlich einfacher in den Arbeitsalltag zu integrieren als eine Sporteinheit. Wer mit diesen Erkenntnissen die Mittagspause vor einem Kreativ-Meeting laufend verbringt, kann ganz leicht seinen Einfallsreichtum steigern.

Wenn wir das mal weiterdenken, müssen wir schon bei den Kleinen anfangen. Schüler, die zur Schule gehen, sind in Sachen Kreativität denen überlegen, die gefahren werden. Und nicht nur das: Sie erleben den Schulalltag auch weniger gestresst, wie eine  US-Studie belegt. Puls und Blutdruck steigen während des Unterrichts offenbar weniger stark an, wenn die Schüler den Schulweg zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurücklegen. Außerdem sind diese Schüler weniger besorgt und ängstlich.

 

Schuhe an und los!

Also, ich gehe da ganz mit Hippokrates und mache regelmäßig Spaziergänge. Vielleicht bin ich da ja auch schon „betriebsblind“, aber ich sehe keine Nachteile – zumal es da ja auch noch so viele schöne Dinge zu sehen und zu entdecken gibt! Habt ihr auch Lust bekommen, mal wieder ne Runde zu drehen? Wann geht ihr mal wieder vor die Tür?

 

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