Du oder Sie – Die richtige Anredeform für deinen Blog

Soll ich meine Kunden duzen oder siezen? Muss ich Kunden auf Facebook anders ansprechen als auf der Website? Und brauche ich im Blog noch eine andere Anredeform? Eine der häufigsten Diskussionen in Business- oder Marketing-Gruppen ist die Frage nach der passenden Kundenansprache. Und wenn man die Diskussionen ein bisschen verfolgt, dann lassen sich schnell zwei Lager identifizieren: Die einen halten das respektvolle „Du“ für die bessere Anredeform, die anderen wollen lieber gesiezt werden. Die Gründe dafür sind sehr verschieden und mitunter wird hoch emotional diskutiert. Das liegt daran, dass wir der Sprache viele Eigenschaften zuschreiben. Wir verbinden bestimmte Ausdrucksformen mit Höflichkeit, Respekt, Nähe, Vertrauen und so weiter. In diesem Artikel will ich versuchen, die Argumente der Gegner auseinander zu dröseln und dir einen Grundstock an Argumenten zu liefern, um die für dich passende Entscheidung zu treffen: Du oder Sie.

 
Du oder Sie - die richtige Leseransprache

Gründe gegen das Du

Du hast einen Termin bei der Bank. Dein Finanzberater kommt auf dich zu, gibt dir die Hand und sagt: „Hi, schön dass du da bist!“ Irgendwie unpassend, findest du? Auf jeden Fall ungewohnt. Gleicher Kontext, andere Bühne: Du folgst deinem Lieblings-Finanzexperten auf Facebook. Du liest seinen wöchentlichen Spartipp als Post auf deiner Timeline: „Ich hoffe du hattest ein schönes Wochenende! Hier ist mein Spartipp Nummer xy – heute erfährst du, …“ Unpassend? Ungewöhnlich? Mittlerweile ist das eher die Norm. Es ist nicht mehr klar abgegrenzt, wo das Sie aufhört und das Du anfängt. Es gibt nicht mehr den Kontext „Du“ und den Kontext „Sie“. Und genau das verunsichert uns zunehmend.

Siezen und duzen haben eine lange Geschichte hinter sich, die ich an dieser Stelle bereits beschrieben habe. Dass wir nämlich überhaupt so viel duzen, muss man natürlich in einem größeren gesellschaftlichen und sprachhistorischen Kontext betrachten. Und dass sich diese Diskussion um Du oder Sie überhaupt verbreitet, ist durch den Sprachwandel und die Kommunikation im Web beeinflusst worden.

Was nun aber stört uns an der immer weiter verbreiteten Verwendung des Du?

Eines der häufigsten Argumente für das „Sie“ ist das Distanz-Argument. Das „Du“ gehöre ins Private oder bestenfalls in den Hobby-Bereich, nicht aber in den geschäftlichen Bereich. Man wolle die Geschäftsbeziehung nicht aufweichen durch eine unpräzise Ansprache. Hand in Hand mit der Distanz geht dann auch das Kompetenz-Argument. „Jemanden, der mich duzt, kann ich nicht ernst nehmen“, heißt es dann. Das sei nicht professionell genug oder „das ist nicht mein Stil“. Und schließlich „fühle sich das einfach nicht richtig an“.

All diese Bedenken und Gefühle muss man ernst nehmen, sie sind real. In dem Moment, in dem sie geäußert werden, sind sie richtig und damit wichtig für dich. Wenn dir deine (potenziellen) Kunden zurückspiegeln, dass ihnen das „Du“ unangenehm ist, dann hilft es nichts, dagegen zu argumentieren. Es ist eine Wahrnehmung und muss als solche respektiert werden. Es kann durchaus sein, dass du Kunden durch die falsche Anredeform verlierst. Dass also jemand, der deine Anredeform unpassend findet, nicht weiter mit dir arbeiten will. Das kann aber nicht nur das „Du“ sein – es gibt auch Leute, die sich vom „Sie“ abgeschreckt fühlen.

 

Gründe für das Du

Gründe für das „Du“ liegen im Sprachwandel, der durch das Internet und den Gebrauch der sozialen Medien vorangetrieben wird. In Chats, Foren und eben nicht zuletzt in sozialen Netzwerken ist das „Du“ gebräuchlicher als das „Sie“. Dort gelten andere Regeln: Es würde uns eher auffallen, wenn jemand siezt. Denn das ist eben mittlerweile die Ausnahme. Wir diskutieren und kommentieren – übrigens auch mit „offiziellen Seiten“ – und wir duzen unsere Gesprächspartner dabei automatisch. Obwohl wir sie noch nie gesehen haben, obwohl wir manchmal nicht einmal ihren richtigen Namen kennen. Es gelten die Regeln der Community und wir gewöhnen uns daran. Unser Sprachgebrauch führt dazu, dass sich das „Du“ mehr und mehr durchsetzt.

Und während wir erstmal nur mitgemacht haben, fordern wir mittlerweile das „Du“. Wir kennen es nicht anders und wir möchten die (scheinbare) Kommunikation der Nähe. Auf Facebook und Co. sind wir aber eben nicht nur hobbymäßig unterwegs, sondern auch geschäftlich. Welche Regeln nun gelten, ist oftmals nicht klar. Erste Kundenkontakte über eine Facebook-Gruppe zu generieren ist kein außergewöhnlicher Vorfall. Und dort duzt man sich ja in den meisten Fällen. Wieso sollte man nun in der weiteren Kommunikation wieder „zurück“ zum „Sie“ (eigentlich war man ja nie dort)?

Die Sache mit der (sprachlichen) Nähe

Gerade Coaches und Trainer duzen ihre Kunden bzw. Klienten gern. Man hat eine Coaching-Beziehung und diese kann sich auch sprachlich manifestieren. Die sprachliche Nähe führt zu einer Änderung in der Beziehung, eben weil wir mit Sprache Eigenschaften und Emotionen verbinden. Das „Du“ signalisiert: „Ich bin wie du, ich hatte die gleichen Schwierigkeiten und Probleme wie du. Nun habe ich Spezialwissen und dieses bekommst du von mir“. Wenn wir aber über die sprachliche Nähe in den sozialen Netzwerken sprechen, dann ändert sie nicht die gesamte Kommunikation. Wir können dort duzen und uns trotzdem nicht nah fühlen. Es kann also stimmig sein im Web zu duzen, sobald man aber in persönlichen Kontakt tritt, auf das „Sie“ zu wechseln. Das kommt ein bisschen darauf an, welcher Art die Beziehung ist und wie die Erwartungen an die kommende Kommunikation sind.

 

Du oder Sie – alles eine Frage der Spielregeln?

Da das „Du“ in den sozialen Netzwerken regelhaft auftritt, würde ich immer empfehlen es auch zu nutzen. Auch auf geschäftlichen Seiten. Es signalisiert, dass du die Regeln verstanden hast. Das „Du“ ist allgegenwärtig – mit einem „Sie“ würdest du eher irritieren. Eventuell bekommt das sogar einen Touch von „elitärer Sprache“ – das ist bei vielen Menschen negativ konnotiert.

Auf der Website ist die Frage eine andere, denn hier legst du selbst die Regeln fest. Wer sind deine Leser, wie möchtest du dich darstellen und welche Art der Beziehung möchtest du zu den Besuchern deiner Website aufbauen? All diese Fragen sind wichtig, um die für dich stimmige Anredeform zu finden. Denn hier gibt es kein richtig oder falsch. Es muss für dich selbst passen und es muss für deine potenziellen Kunden passen. Alles andere ist egal. Wenn sich also jemand durch dein „Du“ irritiert fühlt, ist er vielleicht gar nicht der Kunde, mit dem du gerne arbeiten willst. Oder, wenn jemand dein „Sie“ unangemessen findet – ist er dann der Mensch, der dich kontaktieren soll um dein Angebot zu kaufen?

Was du auf jeden Fall tun solltest, sobald du dich entschieden hast, ist: Zieh es durch. Mach es überall gleich. Nicht etwa auf der Startseite „Sie“, auf der „Über-mich“-Seite „Du“, auf dem Blog „ihr“. Mach es einheitlich und sprich deinen Wunschkunden direkt an.

 

Und abseits des Internets?

Auch hier gibt es keine klaren Regeln und daher muss vieles individuell ausgehandelt werden. Ich duze fast alle meine Kunden und das auch in E-Mails und sonstigem Schriftverkehr. Die einzigen Dokumente, auf denen ich sieze, sind Rechnungen. Das ist bei mir die Grenze – da muss es offiziell sein. Auf Angeboten nicht unbedingt, aber auf Rechnungen.

Mündliche Kommunikation ist bei mir sofort oder sehr schnell beim „Du“ – das ist aber immer ein Prozess, der von beiden Seiten ausgehandelt werden muss. Wenn es sich also für dich richtig anfühlt, das „Du“ zu benutzen, dann mach es. Und wenn du lieber beim „Sie“ bist und dir die oben genannten Gründe wichtig sind, dann bleibe dabei. Nichts ist schlimmer als Kommunikation, die nicht authentisch ist. Die gekünstelt und falsch wirkt. Ob Du oder Sie: Es muss sich für dich richtig anfühlen.

Welche Anredeform benutzt du, um mit deinen Kunden zu kommunizieren? Gibt es für ein Du oder Sie Argumente, die unumgehbar für dich sind? Was sagst du zu meiner These, dass sich das „Du“ in Zukunft immer mehr durchsetzen wird? Lass uns gern in den Kommentaren weiter diskutieren!

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.